KMU-Anlass zu Grundwasserwärme: Grosses Potenzial unter Winterthur

29.05.2026 - Am Donnerstag, 29. Mai hat der Anlass «Grundwasserwärme: Das Potenzial aus der Tiefe» bei der Schloss-Garage Winterthur stattgefunden. Während rund einer Stunde erhielten die rund 40 Teilnehmenden ein Best-Practice-Beispiel und eine Keynote zu diesem aktuellen Thema. Vor allem die gesetzlichen Rahmenbedingungen stellen eine Hürde dar.

Die im Untergrund gespeicherte Wärme gilt als eine der vielversprechendsten erneuerbaren Energiequellen für die Wärmeversorgung von Gebäuden. Wie diese Energie genutzt werden kann und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen, stand im Zentrum des Anlasses «Grundwasserwärme: Das Potenzial aus der Tiefe» bei der Schloss-Garage Winterthur.

Nach der Begrüssung durch Sabine Ihringer, Geschäftsführerin des KMU-Verbands Winterthur und Umgebung, und der Moderation durch David Peran, Leiter der Geschäftsstelle von energie bewegt winterthur, stellte Christian Maier von der Schloss-Garage Winterthur AG die bereits realisierte Grundwasserwärmeanlage des Unternehmens vor. Mit Bildern aus dem Bauprozess und praxisnahen Anekdoten zeichnete er den Weg von der ersten Idee bis zur Inbetriebnahme nach und zeigte auf, welche Schritte für die Umsetzung einer Grundwasserwärmeanlage notwendig sind und welche Herausforderungen dabei gemeistert werden müssen. Das Projekt zeigte exemplarisch auf, wie Unternehmen ihre Wärmeversorgung langfristig nachhaltiger gestalten können.

In seiner Keynote führte Dr. Thomas Eisenlohr von Jäckli Geologie AG in die Grundlagen der Grundwasserwärmenutzung ein. Dabei räumte er mit einem verbreiteten Missverständnis auf: Die nutzbare Wärme der Grundwasserwärmenutzung stammt nicht aus dem Erdinnern, sondern grösstenteils aus der Sonneneinstrahlung und dem atmosphärischen Wärmeeintrag. Das Grundwasser fungiert dabei als natürlicher Energieträger und Transportweg. Gleichzeitig zeigte Eisenlohr auf, weshalb Grundwasser-Wärmepumpen im Vergleich zu Luft-Wasser-Systemen besonders effizient arbeiten.

Gute Voraussetzungen – aber nicht überall

Ob eine Anlage realisiert werden kann, hängt stark von den lokalen geologischen Bedingungen ab. Ausreichende Grundwassermengen und eine gute Wasserqualität sind zentrale Voraussetzungen. Grundsätzlich verfüge Winterthur über gute Bedingungen für die Nutzung von Grundwasserwärme, erklärte Eisenlohr. Dennoch müsse jeder Standort individuell untersucht werden.

Hilfreiche Orientierung bieten dabei die GIS-Karten des Kantons Zürich, darunter die Grundwasserkarte, die Gewässerschutzkarte und der Wärmenutzungsatlas. Gleichzeitig mahnte der Geologe zur Vorsicht: «Karten sind der Stand des letzten Irrtums.» Felduntersuchungen und fachliche Abklärungen blieben deshalb unverzichtbar.

Technische und gesetzliche Hürden

Nebst den geologischen Voraussetzungen wurden auch die Herausforderungen bei der Umsetzung thematisiert. Insbesondere der Bau der Förder- und Schluckbrunnen gilt als technisch anspruchsvoll und erfordert spezialisiertes Know-how. Für die Realisierung einer Anlage sind zudem ein Konzessionsgesuch des Kantons sowie eine Baueingabe notwendig.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Grundwasserschutz. So muss nachgewiesen werden, dass die Nutzung keine unzulässigen Temperaturveränderungen verursacht und bestehende Anlagen oder andere Nutzungen nicht beeinträchtigt werden. Dabei gilt häufig das Prinzip «First come, first serve»: Bereits bewilligte Anlagen geniessen Schutz gegenüber späteren Projekten.

Aus wirtschaftlicher Sicht lohnt sich der Aufwand vor allem bei grösseren Anlagen, was je nach Kanton auch durch bewilligungstechnische Limitierungen geregelt wird. Im Fokus stehen deshalb nicht kleine Einzelanlagen, sondern Systeme ab einer Leistung von rund 150 kW, bei denen sich die Investitionen in Planung und Bewilligung besser rechtfertigen lassen.

Beim anschliessenden Apéro nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum fachlichen Austausch und zur Besichtigung der bestehenden Anlage vor Ort. Der Anlass zeigte eindrücklich, dass Grundwasserwärme für Winterthur ein vielversprechender Baustein der zukünftigen Energieversorgung sein kann – vorausgesetzt, die geologischen, technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen werden sorgfältig berücksichtigt.

Zum Abschluss möchten wir uns herzlich beim KMU-Verband Winterthur und Umgebung für die erfolgreiche Zusammenarbeit bedanken. Ein grosser Dank geht auch an die Schloss-Garage Winterthur AG für die Gastfreundschaft und die spannenden Einblicke in ein bereits erfolgreich umgesetztes Projekt. Nicht zuletzt danken wir der Osteria Mamma Rosa für das ausgezeichnete Catering und den gelungenen Apéro, der den perfekten Rahmen für den fachlichen Austausch und das Networking bildete.

Präsentation von Dr. Thomas Eisenlohr