Stadtwerk Winterthur senkt Stromtarife und führt 2027 neues Tarifmodell ein

09.09.2026 - Die Stromtarife in Winterthur sinken 2027 zum dritten Mal in Folge. Haushaltskundinnen und -kunden bezahlen im Durchschnitt rund 8 Prozent weniger als 2026. Gleichzeitig führt Stadtwerk Winterthur ein neues Tarifmodell mit Leistungspreis, saisonalen Energietarifen und zusätzlichen Niedertarifzeiten ein.

Stadtwerk Winterthur senkt die Stromtarife für Haushaltskundinnen und -kunden per 2027 im Durchschnitt um rund 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für einen Familienhaushalt entspricht dies laut Stadtwerk einer durchschnittlichen Einsparung von etwa 100 Franken pro Jahr. Gleichzeitig wird das bisherige Tarifmodell angepasst: Neu wird bei Haushalten neben dem Energieverbrauch auch die höchste bezogene Leistung innerhalb eines Monats berücksichtigt. Hinzu kommen saisonal unterschiedliche Energiepreise sowie ein zusätzliches Niedertarif-Zeitfenster am Nachmittag.

Grund für die tieferen Stromtarife sind insbesondere sinkende Kosten beim Tarifbestandteil Energie. Die Strommarktpreise sind seit ihrem Höchststand im Jahr 2022 zurückgegangen, liegen gemäss Stadtwerk Winterthur aber weiterhin über dem langjährigen Durchschnitt. Auch die Kosten für die Netznutzung sinken. Als Gründe nennt der Netzbetreiber unter anderem tiefere Kapital-, Verwaltungs- und Übertragungsnetzkosten.

Neuer Leistungstarif für Haushalte

Eine zentrale Neuerung ist der Leistungstarif für Haushaltskundinnen und -kunden. Ab 2027 beträgt dieser 1.50 Franken pro Kilowatt und Monat. Grundlage für die Berechnung ist die Viertelstunde eines Monats, in der ein Haushalt die höchste Leistung aus dem Stromnetz bezieht. Wer beispielsweise mehrere leistungsintensive Geräte oder ein Elektrofahrzeug gleichzeitig nutzt, kann dadurch eine höhere Leistungsspitze verursachen.

Mit dem neuen Modell will Stadtwerk Winterthur die Kosten der Netzinfrastruktur stärker danach verteilen, wie stark das Stromnetz beansprucht wird. Gleichzeitig entfällt der bisherige Grundpreis. Davon sollen insbesondere Haushalte mit geringem Stromverbrauch profitieren. Im vergangenen Jahr lag die durchschnittliche monatliche Leistungsspitze der Haushaltskundschaft laut Stadtwerk bei weniger als 4 Kilowatt.

Auch für Geschäftskundinnen und -kunden gibt es eine Anpassung. Für sie besteht bereits heute ein Leistungstarif. Ab 2027 wird für dessen Berechnung die höchste Leistung während des gesamten Tages berücksichtigt, also auch während der Niedertarifzeiten.

Saisonale Tarife und zusätzliche Niedertarifzeiten

Neu werden zudem saisonale Energietarife eingeführt. Hintergrund sind die unterschiedlichen Bedingungen im Sommer und Winter. Während im Sommer eine hohe Solarstromproduktion zu einem grösseren Stromangebot und tieferen Marktpreisen führen kann, ist die Produktion im Winter geringer und der Verbrauch gleichzeitig höher. Diese Unterschiede sollen künftig stärker in den Tarifen abgebildet werden.

Zusätzlich erweitert Stadtwerk Winterthur die Niedertarifzeiten. Unter der Woche gilt der günstigere Tarif neu auch von 13 bis 16 Uhr. Die bisherigen Niedertarifzeiten von 20 bis 7 Uhr sowie an den Wochenenden bleiben bestehen. Damit soll ein stärkerer Anreiz geschaffen werden, Strom zu Zeiten zu verbrauchen, in denen insbesondere viel Solarstrom zur Verfügung steht.

Nach Angaben von Stadtwerk Winterthur ist die Umstellung des Tarifmodells insgesamt kostenneutral und soll keine zusätzlichen Einnahmen generieren. Ziel ist es, die Kosten der Stromversorgung stärker nach der tatsächlichen Netznutzung zu verteilen und gleichzeitig Anreize für eine gleichmässigere Verteilung des Stromverbrauchs zu schaffen.